Eine Chance für das Schicksal

Eine Chance für das Schicksal

9. März 2019 0 Von Ghostwriter

Wir erle­ben immer wie­der Situa­tio­nen, in denen wir uns fra­gen, wie konn­te das pas­sie­ren? Und vor allem, wozu soll das gut sein? Der Bän­der­riss an Billabong’s Sprung­ge­lenk anfangs Febru­ar war so ein Ereig­nis, dem ich abso­lut nichts Gutes abge­win­nen konn­te. Wie auch. Die Ope­ra­ti­on riss ein Loch in mein Porte­mon­naie, das ich zum Glück eini­ger­mas­sen ver­kraf­ten konn­te. Viel schlim­mer jedoch war das emo­tio­na­le Cha­os, das dar­auf folg­te 😥 Seit Bil­l­abong klein ist, wird sie von ein und dem­sel­ben Tier­arzt behan­delt.  Er hat mein voll­stes Ver­trau­en, kennt sie in- und aus­wen­dig und vor­al­lem weiss er, wie­viel mir Bil­l­abong bedeu­tet. Und nun muss­te ich sie in die Hän­de eines unbe­kann­ten Man­nes geben, der kei­nen blas­sen Schim­mer davon hat­te, dass er mei­ne gan­ze Welt auf sei­nem Ope­ra­ti­ons­tisch hat­te. So zumin­dest war mei­ne per­sön­li­che Wahr­neh­mung. Ein abso­lu­ter Alb­traum für mich und die Stun­den bis zum erlö­sen­den Anruf waren der rein­ste Hor­ror. Natür­lich ist Frank­reich nicht in der Stein­zeit hän­gen geblie­ben 😉 und die OP ver­lief kom­pli­ka­ti­ons­los.

Die Situa­ti­on beru­hi­ge sich all­mäh­lich und wir alle wur­den vom dick ein­ban­da­gier­ten Hin­ter­bein von Bil­l­abong ‘ent­schleu­nigt’, sozu­sa­gen. Durch die ver­ord­ne­te Laser­the­ra­pie waren wir regel­mäs­sig zu Besuch beim Vete­ri­när und ich nutz­te die Gele­gen­heit, in der Tier­kli­nik mit einem Fly­er auf die Hun­de­schu­len mei­ner Schwe­ster und mir hier in Frank­reich auf­merk­sam zu machen. Und tat­säch­lich, ein paar Wochen spä­ter wur­de ich von einem Ehe­paar kon­tak­tiert und um Hil­fe im Umgang mit ihrer Hün­din gebe­ten. Das erste Trai­ning ver­lief super, die Che­mie zwi­schen Mensch und Hund stimm­te per­fekt und wir alle ver­stan­den uns auf Anhieb rich­tig gut. Das Ehe­paar — eben­falls umge­sie­del­te Schwei­zer — wohnt ganz in der Nähe und im Ver­lau­fe des Gesprächs taten sich für mich in ver­schie­de­nen Rich­tun­gen plötz­lich ganz neue Mög­lich­kei­ten auf. Was für ein Glück, dass ich die­se Men­schen gefun­den habe 😎 DAS war er also, der Sinn die­ses Unfalls!

Natür­lich muss­te ich die­se Sto­ry umge­hend mei­ner Schwe­ster erzäh­len und plötz­lich kam sie mit einer ganz abge­fah­re­nen Hypo­the­se, wes­halb die­ser Bän­der­riss auch noch pas­siert sein könn­te, hin­ter ihrem Stein­ofen her­vor.…  Seit Mona­ten habe ich Bil­l­abong ver­spro­chen, dass sie wie­der mit mir zur Arbeit kom­men darf. Wie frü­her, nur sie und ich. Nur.… immer wie­der fand ich einen Grund, wes­halb sie jetzt die­se Woche eben nicht mit durf­te. Mal hat­te ich Abend­schu­le, dann Nach­hil­fe, dann dies, das, jenes und über­haupt 🙄 Ich ver­trö­ste­te sie mona­te­lang immer wie­der auf ‘die näch­ste Woche’. Nach der OP war ja ganz klar, dass ich Bil­l­abong mit in die Schweiz neh­me. So ein Hin­ke­bein kann ich ja schlecht in einem leb­haf­ten 6-er Rudel zurück­las­sen. Seit der Ver­band ab ist, beglei­tet mich Bil­l­abong nach wie vor zur Schu­le. Sie muss ja noch ein biss­chen vor­sich­tig sein, das Gelenk ist noch nicht 100 % sta­bil und ich möch­te nicht, dass sie zu Hau­se umge­rannt wird. Und nun kam also mei­ne Schwe­ster mit die­ser absur­den Theo­rie an, Bil­l­abong sel­ber hät­te nach einer Mög­lich­keit gesucht, dass ich sie end­lich — wie schon lan­ge ver­spro­chen — wie­der mit­neh­men wür­de…

Nun kann man ja davon hal­ten was man will 🤔  Ihr denkt jetzt sicher, die­se Erklä­rung sei etwas sehr weit her geholt. Wer jedoch Bil­l­abong rich­tig kennt der weiss, dass ihr so eine Akti­on durch­aus zuzu­trau­en ist. Sie hat­te ja immer schon ihre ganz eige­ne Art, sich mit­zu­tei­len. Wie auch immer, die­se Aus­sa­ge mei­ner Schwe­ster hat mich nach­denk­lich gemacht. Bil­l­abong wur­de im Novem­ber 13 Jah­re alt und aus­ser ein paar Alters­be­schwer­den hat sie kei­ner­lei gesund­heit­li­che Ein­schrän­kun­gen. Doch wie schnell sich das ändern kann, muss­te ich lei­der bei eini­gen sehr guten Freun­den mit­er­le­ben. Der gelieb­te Hund, der heu­te noch über­mü­tig durch den Gar­ten tobt, über­quert tags dar­auf völ­lig uner­war­tet die Regen­bo­gen­brücke. Vie­le Hun­de­hal­ter wün­schen sich, ihren gelieb­ten Freund mit zur Arbeit neh­men zu dür­fen. Und ich, die das gros­se Glück hat, dass Bil­l­abong mit darf, fin­de 20 Grün­de, wes­halb ich sie nicht mit­neh­me 🤦‍♀️ Dabei genies­se ich die­se Qua­li­ty-Time mit mei­nem See­len­hund sehr, nie­mand weiss, wie­viel davon wir noch haben wer­den.

Die­ser unsym­pa­thi­sche Bän­der­riss ent­pupp­te sich nun also in ver­schie­de­ner Hin­sicht als Glücks­fall 🍀 Durch eine neue Bekannt­schaft wird es in mei­nem Leben span­nend wei­ter­ge­hen und Bil­l­abong wird mich wie­der ver­mehrt beglei­ten. Wir müs­sen — egal, was uns wider­fährt — dem Schick­sal die Chan­ce geben, sich zu erklä­ren. Wir müs­sen genau hin­se­hen und -hören, damit wir die Bot­schaft nicht ver­pas­sen. Dies kön­nen wir aber nur, wenn wir offen sind für alles, auch für Unge­wöhn­li­ches oder Sur­rea­les. Die Wege des Schick­sals sind grös­ser als nur das Sicht­ba­re. Wir müs­sen dar­an glau­ben und wir müs­sen ver­ste­hen wol­len. Nur so gelan­gen wir zu Erkennt­nis­sen, die unser Dasein ver­än­dern 💖