Ein Selbstversuch

Ein Selbstversuch

4. Januar 2019 0 Von Ghostwriter

Mein Hund ist schon 8, der lernt das nicht mehr’ oder ‘das kann mein Hund in sei­nem Alter sowie­so nicht’. Sol­che ‘Aus­re­den’ höre ich immer mal wie­der von Hun­de­hal­tern und über­le­ge mir dann, WER von den bei­den etwas Neu­es nicht mehr lernt  😉 Ich hal­te dann jeweils dage­gen, behaup­te kühn, ler­nen fin­det immer statt und man muss nur wol­len. Bedenkt man, dass ein Hun­de­jahr unge­fähr 7 Men­schen­jah­ren ent­spricht, so zählt ein 8jähriger Hund doch schon zu den Senio­ren. Er ist in mei­nem Alter, sozu­sa­gen. Wie ist es denn nun, wenn ICH als Ü50 etwas Neu­es ler­nen möch­te? Wie schnell kann ich ler­nen, kann ich über­haupt noch ler­nen? Und wie steht es um die Moti­va­ti­on?

Um die­sen Fra­gen auf den Grund zu gehen, habe ich mich ent­schlos­sen, einen Selbst­ver­such zu wagen. Ich wer­de also etwas kom­plett Neu­es ler­nen. Ein neu­es Com­pu­ter­pro­gramm, zum Bei­spiel. Doch nein, das wäre kein rich­ti­ger Selbst­ver­such. Ich habe letz­tes Jahr sicher ein hal­bes Dut­zend neu­er Pro­gram­me genutzt und so eine rich­ti­ge Her­aus­for­de­rung ist es nicht. Kennt man eins, kennt man sie alle und als Fach­frau auf die­sem Gebiet kann ich damit wohl nicht her­um prah­len. Also muss ich mei­ne Kom­fort­zo­ne ver­las­sen. Ein neu­es Instru­ment viel­leicht? Treue Leser mei­nes Blogs wis­sen ja um mei­ne nicht vor­han­de­nen Gesangs­kün­ste. Doch nur, weil ich einen Ton stimm­lich nicht erwi­sche, heisst das nicht, dass ich kom­plett unmu­si­ka­lisch bin. Denn wür­de mir das Gehör für rich­ti­ge Töne feh­len, wür­de ich ja kaum mer­ken, dass ich sie nicht tref­fe. Irgend­wie logisch, nicht? Auch wenn ich meh­re­re Instru­men­te spie­le, habe ich kei­nes bis zur Per­fek­ti­on gebracht. Muss ich ja auch nicht, da ich in die­ser Hin­sicht wenig ambi­tio­niert bin und in kein Orche­ster auf­ge­nom­men wer­den möch­te. Ich neh­me Abwei­chun­gen im Vier­tel­ton­be­reich wahr, behaup­te also von mir, dass ich zum Musi­zie­ren nicht gänz­lich unge­eig­net bin. Also, Ent­schluss gefasst, ich ler­ne ein neu­es Instru­ment. In mei­ner Samm­lung befin­den sich ein Key­board, eine Quer­flö­te, zwei Block­flö­ten, eine Melo­di­ca, eine Mund­har­mo­ni­ka, eine Pan­flö­te und eine Gitar­re. Somit sind die Sai­ten­in­stru­men­te defi­ni­tiv in der Unter­zahl. Um dies zu ändern, habe ich mich zu Weih­nach­ten mit einer Gei­ge über­rascht, mit der ich nun mein Expe­ri­ment star­ten wer­de.

Nicht gera­de das Ein­fach­ste aller Instru­men­te, das ich mir aus­ge­sucht habe. Es klingt wun­der­voll, sofern man in der Lage ist, die Töne eben in die­sem Sin­ne zu erzeu­gen. Um alles rich­tig zu machen, hielt ich mich also an die Emp­feh­lung des Gei­gen­bau­ers, das Instru­ment nach Ankunft ein paar Tage ruhen zu las­sen. Für mich als Trip­le-A-Typ eine Her­aus­for­de­rung. Da sich auch die Sai­ten erst ein­mal an den End­span­nungs­zu­stand gewöh­nen müs­sen, ver­brach­te ich die ersten Tage damit, das Streich­in­stru­ment immer wie­der zu stim­men. Schluss­end­lich blie­ben die Sai­ten in ihrer Posi­ti­on, die Gei­ge war für ihre Odys­see mit mir bereit. Zusam­men mit dem Inter­net und einem ‘Geigenspiel-für-Dummies’-Büchlein hat­te ich auch schnell ver­stan­den, wie ich den Gei­gen­bo­gen span­nen muss, was es mit dem Kolo­phon auf sich hat und wie die ein­zel­nen Sai­ten bezeich­net wer­den. Wie auch bei der Gitar­re, ver­such­te ich mir hier eine Esels­brücke zu bau­en. G, D, A, E.…  was könn­te man aus die­sen Buch­sta­ben ablei­ten… ich habs: Geh DAnie­la Erfreu­en…  😆

Nach­dem nun alle Neben­säch­lich­kei­ten geklärt wur­den, ging es los und ich war sel­ber sehr über­rascht, als mein sorg­fäl­tig und fein geführ­te Gei­gen­bo­gen den Sai­ten tat­säch­lich ihren ein­ge­stimm­ten Klang ent­lock­ten. Und das gar nicht mal so übel. Natür­lich klan­gen nicht alle Töne — um nicht zu sagen, die Wenig­sten.…  😕 — lupen­rein und zwi­schen die schö­nen Klän­ge misch­te sich fürch­ter­li­ches Gekrat­ze. Mei­ne Kat­zen ergrif­fen ver­stört die Flucht. Aus­ser Flu­mi, mein musi­ka­lisch ange­hauch­tes Schwarz­na­sen­bü­si. Sie sass ver­zückt den Klän­gen lau­schend neben mir auf der Bank und gab mir etwas Hoff­nung. Obwohl ich mir fest vor­ge­nom­men habe, mich an die Weg­lei­tung mei­nes Büch­leins zu hal­ten, gelang es mir nur mäs­sig. Man kann viel von mir behaup­ten, aber nicht, dass ich gedul­dig bin 😳 und ehr­lich gesagt, ging es mir zu wenig schnell. Im Rat­ge­ber wur­de mir emp­foh­len, doch erst eine Wei­le das Spiel auf den lee­ren Sai­ten — also ohne Fin­ger — zu üben, bis die­se har­mo­nisch klin­gend durch die Luft hauch­ten. Glaubt mir, ich habe es ver­sucht, wirk­lich.…  aber mei­ne Fin­ger haben ihr eige­nes Leben und fin­gen selb­stän­dig an, auf den Sai­ten die rich­ti­gen Töne zu fin­den, damit wir zusam­men den Anfang von ‘Stil­le Nacht’ durch die weih­nächt­li­che Abend­stun­de erklin­gen las­sen konn­ten 🙂

Die ersten Geh­ver­su­che auf mei­nem neu­en Instru­ment sind sehr viel­ver­spre­chend. Ich bin sicher nicht der Mei­ster, der vom Him­mel fällt und wer­de nun fleis­sig an der Treff­si­cher­heit mei­ner Fin­ger und der Füh­rung des Gei­gen­bo­gens arbei­ten. So hof­fe ich nun her­aus­zu­fin­den, wie auf­wen­dig es ist, als Ü50 neue Wege zu gehen. Und falls sich an die­ser Stel­le nun jemand fra­gen soll­te, wes­halb ich mich mit einer Gei­ge in stil­vol­lem Blau beschenkt habe: Grund­sätz­lich glau­be ich an das, was ich tue. Ich habe Erfolg oder Miss­erfolg, wie die mei­sten von uns. Soll­te ich nun also mit mei­nem Selbst­ver­such kläg­lich schei­tern, kann ich die­ses edle Stück immer­hin noch als Deko­ra­ti­on in mei­nem fei­nen Häus­chen nut­zen.…

To be con­ti­nued…  🙂